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Du
bist etwas wert Vor
Gott sind wir alle gleich. Aber was hilft dieses Wissen hier?
Die
Jugendarbeitslosigkeit in Österreich sei im europäischen Vergleich gesehen
relativ gering, meinen Experten. Also, das beruhigt mich nicht. Denn auch hierzulande
schreiben zig junge Leute Bewerbungen und bekommen manchmal nicht einmal eine
Antwort, geschweige denn eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Und
immer weniger von ihnen können unbeschwert und ganz ohne Existenzängste
in die Zukunft schauen. Arbeit ist aber ist wichtig, nicht nur, um die Existenz
zu sichern. Sie macht Sinn, weil es ein gutes Gefühl verschafft, gefragt
und gebraucht zu werden. Und Arbeit macht hoffentlich auch Spaß, obwohl
natürlich auch jeder Beruf seine Routine, seine Durststrecken und seine Qualen
hat. Verhasste Arbeit ist im Grund genommen unbezahlbar: Lehrerinnen, die vor
jedem Schultag zittern, Ärzte, die den Nachtdienst nur mit Weckaminen durchstehen,
Taxifahrerinnen, die hypernervös sind sie alle werden wohl mit dem
Gedanken spielen, andere Arbeit zu suchen. Arbeit
verschafft uns Rechte Das
Gegenteil von geglückter Arbeit ist Schufterei. Hunderttausende auf dieser
Welt rackern sich Tag für Tag ab, nur um sich am Leben zu erhalten, schleppen
kilometerweit Wasser herbei, ackern auf ausgetrockneten Böden und Kinder
knüpfen Teppiche, nur um nicht zu verhungern. Glücklich also ist, wer
den eigenen Bedürfnissen und Begabungen angemessene Arbeit hat und sagen
kann: Ich bin am richtigen Platz. Meine Arbeit macht Freude. Hier kann ich
geben und hier wird mir gegeben. Glücklich ist auch, wer mit solcher
Arbeit seine Existenz sichern kann. Denn Geld ist bei uns gemünzte Arbeit,
bedeutet bei uns im Allgemeinen auch reale und moralische Rechte: Auf Nahrung,
Ansehen, Freizeitvergnügungen, Erholung, Mitsprache. Deshalb ist es ja auch
so schwer, wenn eine Arbeitskraft derzeit nicht genommen wird. Das drückt
unglaublich auf das Selbstbewusstsein und auf den Status. Natürlich: Vor
Gott sind wir alle gleich. Aber was hilft dieses Wissen hier? Und auf diese
Frage jetzt lieber keine vorschnelle Antwort, sondern ein: Du bist in jedem
Fall etwas wert. Bleib am Leben interessiert.
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VON
ULRIKE WOLF-NINDLER Ulrike
Wolf-Nindler ist evangelische Landeskuratin der NÖ. Pfadfinder und Pfadfinderinnen. |