Niederösterreichische Pfadfinder und Pfadfinderinnen
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Altersgrenzen auf Seminaren

In Niederösterreich wurde das Mindestalter für die Teilnahme an LV-Seminaren auf 18 Jahre angehoben. Die Gründe und Hintergründe für diesen Schritt erläutert euch diese Ausgabe der „Ausbildungsschritte“.


Aufmerksamen Lesern der „Kontakte“, unseres Online-Forums oder der Seminarausschreibungen ist sicherlich aufgefallen, dass das Mindestalter für die Teilnahme an niederösterreichischen Seminaren seit Herbst 2005 plötzlich 18 Jahre ist. Zuvor konnten WiWö- und Spezialseminare bereits mit 17 besucht werden. Vor fast genau einem Jahr bei der Endredaktion aller Seminare 2005-06 ist die „17“ aufgefallen, und zwar in dem größeren Zusammenhang „Wachstum“, „Jugendstufen“ „Verantwortung“. Und einige Gedankengänge später ist die „17“ einer „18“ gewichen. Bis vor kurzem war Niederösterreich hier Vorreiter, mittlerweile sind die Altersgrenzen österreichweit angehoben worden, denn im letzten Bundesarbeitskreis aller Landesausbildner haben die Beauftragten darüber diskutiert und entschieden. Es lagen drei Überlegungen zu Grunde, diesen Schritt zu tun.

Grund 1: Erwachsene Leiterinnen und Leiter

Die Tätigkeiten der Ausbildung der PPÖ (und der Landesverbände) richten sich in erster Linie an Erwachsene, die in der Kinder- und Jugendleitung tätig sind. Umgelegt auf Seminare heißt das: Wir bilden Erwachsene für ihre Leitungstätigkeit in ihrer Gruppe aus, eben Erwachsene und keine Jugendliche. Die Kinder und Jugendlichen sind die Zielgruppe der PPÖ, für die wir Ziel, Inhalte und Methoden definiert haben. Um dieses Ziel zu erreichen, bilden wir Leiterinnen und Leiter aus. Auch wenn ich es sehr begrüßenswert finde, dass bereits 16- oder 17-Jährige Interesse und Engagement für die Leitungstätigkeit zeigen, rate ich davon ab, dieses Interesse bereits Woche für Woche in eine ständige Verantwortung und Leitungstätigkeit zu wandeln.

Gefahr der Doppelbelastung

Diese „Doppelbelastung“ zwischen RaRo und Gruppe geht zumeist zu Lasten der RaRo. Dabei wäre eine zumindest zweijährige RaRo-Zeit ohne Leitungstätigkeit für die Jugendstufe extrem wichtig, Wir lassen den Jugendlichen Zeit für die eigene persönliche Entwicklung, für die Gemeinschaft in der Rotte und den Abschluss der Pfadfinderzeit (Erreichung des Verbandziels). Im Hinterkopf schwebt auch das Ziel der PPÖ, in den kommenden Jahren die Jugendstufen stärker zu forcieren und zu unterstützen. Für die Pfadfindergruppe sind starke CaEx- und RaRo-Stufen ein wesentlicher Motor für eine gute Entwicklung. Hier erleben die Jugendlichen die intensivsten Erfahrungen, die sie möglicherweise lange an die Gruppe binden. Daher sollen sie möglichst lange bei den RaRo bleiben und ihre Erfahrungen mit Gleichaltrigen machen können. Erwachsene Leiter sind auch ein Qualitätsmerkmal gegenüber anderen Jugendorganisationen. Hier signalisieren wir, dass wir dies in unserer Arbeit in den Gruppen – und eben auch in der Ausbildung – berücksichtigen.

Grund 2: Verbandsordnung der PPÖ

In unserer Verbandsordnung steht unter 2.5.4.1 eine Empfehlung, dass Jugendliche in ihrer Ranger/Rover-Zeit keine Leitungstätigkeiten ausüben sollen. 2.8.2 legt das Mindestalter von WiWö-Assistenten mit 18, das von GuSp-Assistenten mit 19 und das von CaEx- und RaRo-Assistenten mit 20 fest. Wenn im nächsten Satz für Landesverbände die Möglichkeit eingeräumt wird, den Besuch von Seminaren ein Jahr früher zu gestatten, komme ich mit den Überlegungen auf Grund 1 zurück.

Grund 3: Verantwortung

Erst mit 18 hat eine Person vor dem Gesetz die Volljährigkeit erreicht und trägt volle Verantwortung. Wenn also 17- oder gar 16-Jjährige wöchentlich leiten, also Verantwortung über Kinder und Jugendliche übernehmen, agieren sie in einer gesetzlichen Grauzone. Denn die volle Verantwortung haben nur volljährige ausgebildete Stufenleiterinnen bzw. Stufenleiter, oder in deren Abwesenheit die Gruppenleitung. Darauf weisen wir jährlich beim Aufbauseminar und GF-Grundlagenseminar hin. Passieren kann immer etwas, aber man soll ja nicht alles heraufbeschwören. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es bei der Planung in der Gruppe bei der Besetzung der Stufenleitung manchmal zu Engpässen kommt und dann gerne auf RaRo zurückgegriffen wird, aber dies sollte die allerletzte Möglichkeit bleiben, denn eine gute Lösung ist das nicht.

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VON HANNES GRUBER

Hannes Gruber ist Landesbauftragter für Ausbildung.